Die Zukunft im Blick

Preisträger des Franz Ludwig Gehe-Förderpreises ausgezeichnet

Die Gewinner des Franz Ludwig Gehe-Förderpreises stehen fest: In feierlichem Rahmen wurden am 7. Juli 2017 in Berlin die drei Preisträger des erstmals initiierten Wettbewerbs ausgezeichnet. Laudator war Peter Ditzel, Herausgeber der DAZ. Als besonderen Gast konnte GEHE Dr. Christian Belgardt begrüßen, Mitglied im Vorstand der ABDA.

„Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“ (Victor Hugo) An diese Worte mag sich der ein oder andere erinnert haben, der die Einsendungen zum Franz Ludwig Gehe-Förderpreis begutachten konnte. Aufgrund der besonderen Bedeutung der eingereichten Projekte und Ideen hat die unabhängige Jury einen ersten Preis und zwei zweite Preise vergeben. „Wir haben den Franz Ludwig Gehe-Förderpreis ins Leben gerufen, um die Position der Apotheke vor Ort zu stärken“, erklärte André Blümel, Vorsitzender der GEHE-Geschäftsführung, der den Förderpreis maßgeblich initiiert hat. „Wir wollen die Arbeit der Pharmazeuten wertschätzen, die kranke und gesunde Patienten mit ihren Leistungen und Services unterstützen und ihre Lebensqualität steigern“, so Blümel. Die eigene Position stärken heißt aber auch, sich mit den künftigen Herausforderungen auseinanderzusetzen. Wie sieht die Gesundheitsversorgung in zehn oder zwanzig Jahren aus? „Mit dem Förderpreis haben wir eine öffentliche Plattform geschaffen für aktuelle Trends und Ideen, die wir jetzt mit der Branche teilen“, so Blümel. „Letztlich ist dabei das oberste Ziel, die gesundheitliche Versorgung von Patienten zu verbessern.“

Ideen für die Apotheke der Zukunft
Gewinnerin des ersten Preises ist Alexandra Jäger, Apotheke am Königsstuhl in Rhens und Tobias Hastenteufel, vertretend für die Qurasoft GmbH, für die „Entwicklung einer patientenzentrierten Smartphone-App zur Steigerung der Arzneimitteltherapie-Sicherheit“. Den zweiten Platz teilen sich Stefan Göbel, Brücken-Apotheke in Heringen und Henriette Karoline Dumeier, Kloster-Apotheke in Blankenburg. Stefan Göbel wurde für die Projektidee „Der Mitarbeitercheck – Etablierung einer neuen pharmazeutischen Dienstleistung“ prämiert. Henriette Dumeier überzeugte die Jury mit dem Projekt „Der Apotheker als Pharmakotherapiemanager für die Notfallmedikation in Kindereinrichtungen“. Der erste Preis ist mit 15.000 Euro dotiert, die zweiten Preise mit jeweils 5.000 Euro. Mit einem Preisgeld von insgesamt 25.000 Euro ist der Franz Ludwig Gehe-Förderpreis die höchstdotierte Auszeichnung der Apothekerbranche. Die Laudationen auf die Preisträger hielt Peter Ditzel, Herausgeber der Deutschen Apotheker Zeitung (DAZ).


Platz 1

Alexandra Jäger, Apotheke am Königsstuhl, Rhens, und Qurasoft GmbH: „Entwicklung einer patientenzentrierten Smartphone-App zur Steigerung der Arzneimitteltherapiesicherheit“

Alexandra Jäger hat ihre Projektidee in Kooperation mit der Qurasoft GmbH entwickelt. Sie basiert auf einer Smartphone-App, die den Medikationsplan darstellt: mit allen einzunehmenden Arzneimitteln, den Dosierungen und den Einnahmezeitpunkten. Auf Wunsch erinnert die App den Patienten an die Einnahme. Über 2D-Barcodes können Arzt und Apotheker den Medikationsplan direkt vom Smartphone einlesen, aktualisieren und dem Patienten wieder zur Verfügung stellen. Darüber hinaus kann die App den Medikationsplan in verschiedenen Sprachen darstellen.

Für die Jury greift die App zwei Zukunftsthemen der Apotheke auf: die Arzneimitteltherapiesicherheit, hergestellt durch einen innovativen, kontinuierlich aktualisierten Medikationsplan, und das Thema Digitalisierung. Der Patient hat den Plan auf seinem Smartphone immer bei sich. Und er entscheidet darüber, ob Arzt oder Apotheker die Aktualisierung vornehmen. Auch die Mehrsprachigkeit der App überzeugte die Jury. Indem die Apotheke ihre Kunden auf die App hinweist oder sie zur Verfügung stellt, unterstützt sie die Kundenbeziehung. Sie zeigt sich in der Lage, ihre heilberufliche Aufgabe auch in digitalen Medien wahrzunehmen.


Platz 2

Henriette Karoline Dumeier, Kloster-Apotheke, Blankenburg: Der Apotheker als Pharmakotherapiemanager für die Notfallmedikation in Kindereinrichtungen

Bei epileptischen Anfällen soll gerade bei Kindern und Jugendlichen die verordnete Notfallmedikation rasch greifen. Durch eine schnelle und richtige Anwendung der Arzneimittel kann der Anfall effektiv unterbrochen werden. Eine entscheidende Voraussetzung dafür ist, dass auch Erzieher und Lehrer in Kitas und Schulen wissen, wie man die Notfallarzneimittel anwendet.

Das Projektziel: Der Apotheker übernimmt die pharmazeutische Schulung der Verantwortlichen und versetzt sie in die Lage, das Notfallarzneimittel sachgerecht einzusetzen. Der Apotheker übernimmt so die Funktion eines Pharmakotherapiemanagers. Die Jury würdigt mit der Auszeichnung vor allem die Idee, dass über die Schulung Dritter die Therapiesicherheit bei der Anwendung eines Notfallarzneimittels maßgeblich erhöht wird – insbesondere für die sensible Patientengruppe der Kinder und Jugendlichen.

Dass sich der Apotheker hier aktiv als Heilberufler engagiert und auch außerhalb seiner Apotheke tätig wird, sieht die Jury als weitere innovative Komponente des Projekts. Frau Dumeier, die zur Zeit der Einreichung noch Studentin war, hat bereits eine entsprechende Schulungsmethode in einem interdisziplinären Expertenpanel entwickelt und in Kitas wissenschaftlich untersucht. In einem nächsten Schritt soll das Projekt in der Praxis implementiert und den Apothekern zur Verfügung gestellt werden. Die Jury freut sich, mit diesem Projekt auch ein junges pharmazeutisches Talent fördern zu können!


Platz 2

Stefan Göbel, Brücken-Apotheke, Heringen „Der Mitarbeitercheck – Etablierung einer neuen pharmazeutischen Dienstleistung“

Bei dieser Projektidee steht eine neue pharmazeutische Dienstleistung für chronisch erkrankte Patienten im Mittelpunkt. Diese erhalten eine pharmazeutische Betreuung und Beratung über den persönlichen Nutzen der Medikation. Damit einhergehen mehr Sicherheit und Lebensqualität für den Patienten.

Die Jury überzeugte dabei vor allem die besondere Form der Dienstleistung: Die Beratung ist für den Patienten kostenfrei, die Bezahlung übernimmt der Arbeitgeber. Der Patient profitiert von der Beratung und Betreuung durch den Apotheker. Für den Arbeitgeber zahlt sich aus, dass seine Arbeitnehmer motiviert, gesund und arbeitsfähig bleiben. Insbesondere bei chronischen Erkrankungen ist die regelmäßige Einnahme der verordneten Medikamente entscheidend für den Therapieerfolg.

Durch eine bessere Compliance und eine sichere und richtige Anwendung der Arzneimittel lassen sich Fehltage für den Betrieb reduzieren und damit Folgekosten sparen. Stefan Göbel steht bereits in Verhandlungen mit einem größeren Unternehmen der Bergbauindustrie. Denn vor allem bei Bergleuten leiden aufgrund der schweren Arbeitsbedingungen und der unregelmäßigen Arbeitszeiten häufig unter chronischen Erkrankungen. Das erste Feedback von Unternehmensseite ist positiv, so dass die Implementierung kurz bevor steht.

Die ausgewählten Preise sind das Ergebnis einer spannenden Jurysitzung. Dabei musste das hochkarätig besetzte Gremium die zahlreichen Einsendungen einordnen, diskutieren und schließlich priorisieren. „Die eingereichten Ideen sind der Beleg, wie viele innovative Ansätze in den Apotheken bereits konzipiert und umgesetzt werden“, erklärte Dr. Peter Schreiner, Geschäftsführer Procurement GEHE, während der Preisverleihung. „Ich denke, die Projekte und Ansätze, die wir jetzt ausgezeichnet haben, geben einen Ausblick in die Zukunft der Apotheke. Sie zeigen, wohin die Reise gehen könnte.“


Die Jury

André Blümel

André Blümel

ist Vorsitzender der Geschäftsführung GEHE Pharma Handel GmbH.

„Die Kompetenzen des modernen Pharmazeuten gehen weit über die Offizin hinaus. Er versteht sich zunehmend auch als moderner Dienstleister im bestmöglichen und umfassenden Einsatz für den Patienten.“

Holger Gnekow

Holger Gnekow

ist Inhaber der Privilegierten Adler Apotheke und deren Filiale in Borgfelde.

„Mut und Ideen sind die wichtigsten Rohstoffe der Pioniere. Das ist in der Apotheke nicht anders.“

Dr. Klaus Michels

Dr. Klaus Michels

ist Vorstandsvorsitzender des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe und Mitglied im Gesamtvorstand der ABDA.

„Wir müssen offen sein für Neues, andere Wege gehen, andere Gedanken denken.“

Prof. Dr. Ulrich Jaehde

Prof. Dr. Ulrich Jaehde

ist Leiter des Bereichs Klinische Pharmazie der Universität Bonn und Mitglied in den Arzneimittelkommissionen der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) und der deutschen Apotheker (AMK).

„Originelle Ideen können zu Innovationen führen und die Pharmazie voranbringen. Und genau nach solchen Ideen suchen wir.“

Peter Ditzel

Peter Ditzel

ist Herausgeber der Deutschen Apotheker Zeitung (DAZ).

„Der Franz Ludwig Gehe-Förderpreis würdigt pharmazeutische Arbeiten, die sich durch einen patientenorientierten Ansatz auszeichnen.“

Dr. Richard Klämbt

Dr. Richard Klämbt

ist Präsident der Apothekenkammer Bremen und Vorstandsvorsitzender im Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker e.V.

„Die Grenzen der integrierten Gesundheitsversorgung verschwimmen mehr und mehr. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Prävention, Versorgung und Betreuung. Die Rolle der Apotheker wird deshalb weiterhin immer wichtiger werden.“